Quiz

Quiz vom lesbisch feminis­tischen Schabbes­kreis

ist verhinderte Superheldin, Queer_Feministin, Bloggerin, Kolumnistin, wütende Jüdin, politische Bildnerin und semi-aktive Körperkünstlerin.

Ich war 1984 noch nicht mal geboren. Also eine Zeitreise. Ins LESTRA 1984. Zu dem Moment, in dem der lesbisch feministische Schabbeskreis seine Anfänge fand. Und dann dabei sein bis 1989, das Jahr, in dem der Schabbeskreis sich auflöste und ich geboren wurde.

Ich stelle mir vor, wie ich bei der Berliner Lesbenwoche 1985 dabei bin und uns die wc-deutschen (weiß-christlich sozialisierten deutschen) Lesben um die Ohren fliegen. Ich stelle mir vor, wie ich in der Evangelischen Akademie Tutzing mit den christlichen Frauen über die Rolle des Judentums diskutiere. Ich stelle mir vor, wie ich mit Pejes über Veranstaltungen laufe, um ein Bild von Jüd_innen aufzurütteln, dass so lachaft ist, wie der Bart in meinem Gesicht und die Locken an meinen Schläfen. Und ich stelle mir vor, wie wir erschöpft zusammensitzen an all diesen Freitagen, mit Kerzen und Challah, und uns überlegen, wie wir arbeiten und die Leute zum Zuhören bringen können. Wir entwickeln Workshop-Ideen und Konzepte, tauschen uns aus und lecken unsere Wunden.

Es ist Frühjahr 1988, der Frühling beginnt und trotzdem fröstle ich ständig – es ist dieses Land. Die Kerzen sind an, hier ist es kuschelig und einer dieser Momente, wo die langsam aufkommenden Spannungen innerhalb der Gruppe mal nicht zu spüren sind. Erholung. Wir haben in einer Woche einen Workshop in der Kulmer Straße. Kate, Jessica, Ben, Cathy, alle sind da und wir überlegen gemeinsam, was wir machen wollen. Alle ungefähr in meinem Alter. Es fällt mir nicht schwer, mir das vorzustellen. Wir witzeln rum und die Müdigkeit ist kurz verschwunden. Eine_r schlägt eine Inszenierung vor, ich habe vergessen wer. Wir kramen den Mist raus, der uns als Jüd_innen begegnet, und machen uns darüber lustig. Wir steigern uns rein und halten fest, was uns einfällt. Der Quark, der uns den ganzen Tag entgegen kommt in Dialog-Form.

Ich muss schmunzeln bei der Vorstellung, all die tollen Menschen, die ich nur als Ü-50 kenne, mit Ende 20, Mitte 30 zu erleben. Es ist eine emotionale Zeitreise mit einem warmen Bauchgefühl. Umgeben von lesbisch-jüdischen Aktivist_innen. Eine Wahlfamilie – und gemeinsam gegen den Rest der Welt. Es fühlt sich auch anstrengend an und eng. Aber vor allem schön und warm und verbunden. Eine Sehnsucht.